Insolvenz der Baumarktkette Praktiker: Was kommt jetzt auf Arbeitnehmer zu?

Die Tatsache, dass „günstig“ nicht immer funktioniert, verdeutlicht das Beispiel der Praktiker Baumarktkette. Der Vorfall erinnert an die Situation mit der Kette Schlecker. Was letztlich genau die Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit des in Hamburg sitzenden Unternehmens verursacht hat, muss abgewartet werden. Der Raum für Spekulationen ist groß. Fehlgesteuerte Rabattaktionen werden jedoch immer wieder als eine der Ursachen genannt. Hinzu kommt, dass die Branche insgesamt unter der langen Kälteperiode leidet.

Fest steht aber, dass durch die Insolvenz gut 20.000 Mitarbeiter betroffen sind. Es ist damit zu rechnen, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Beschäftigten durch Kündigung ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Spätestens nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens dürften Massenentlassungspläne greifbar werden, die spätestens dann ein Handeln der Arbeitnehmer und Betriebsräte der jeweiligen Baumärkte notwendig machen.

Arbeitsrechtliche Besonderheiten des Insolvenzrechts rücken dann in den Vordergrund, die ansonsten nur von der öffentlichen Fachwelt wahrgenommen werden. Die Arbeitsgerichte werden hierzu in den nächsten Monaten ihre Entscheidungen treffen. Fragen des Kündigungsschutzrechts sind dabei ebenso zentral wie Arbeitnehmeransprüche in der Insolvenz. Letztere können zum Beispiel Ansprüche auf Vergütung sowie auf Geld- oder Naturalleistungen sein; ebenso können Schadensersatzansprüche gestellt oder der Frage nachgegangen werden, wer ein Zeugnis zu erstellen hat.

Was am Ende von Praktiker übrig bleibt, ist schwerlich zu prognostizieren. Möglicherweise bleibt mehr als der Satz in Erinnerung: 20% auf alles – außer Tiernahrung.


Dieser Beitrag wurde geschrieben von:

Thomas Klaes
Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht

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