Wie finde ich eine gute Rechtsschutzversicherung?

Als Arbeitsrechtler werden wir immer wieder nach einer guten Rechtsschutzversicherung gefragt. Unser Blick ist dabei immer eher der: Mit wem haben wir bei der Abwicklung am wenigsten Gesabbel und Ärger?

Darum haben wir Johannes Zeyse aus Hamburg um einen Gastbeitrag zu Thema gebeten:

Wie finde ich eine gute Rechtsschutzversicherung?  von Johannes Zeyse

Wenn man sich als Kunde auf den Weg macht, eine geeignete Rechtsschutzversicherung zu finden, wird man mit einer Vielzahl von Bedingungen und Tarifmerkmalen konfrontiert, deren Bedeutung für die Praxis vielen Versicherten oft nicht klar ist. Wir schaffen an dieser Stelle Klarheit, welche Kriterien für eine erfolgreiche Produktauswahl zu Grunde gelegt werden sollten.

Die Versicherungsbedingungen sollten in keinem einzigen Punkt Regelungen enthalten, die aus Verbrauchersicht ungünstiger sind als die vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V.  empfohlenen Rechtsschutz-Versicherungsbedingungen (ARB 2008, 2009 oder 2010). Im Wesentlichen handelt es sich dabei um folgende Punkte:

  1. Versicherungssumme min. 500.000 €, Leistung bei Strafkautionen min. 100.000 €
  2. Im Schadenersatz-Rechtsschutz gilt die Folgeereignistheorie vereinbart
  3. Eine Selbstbeteiligung fällt je Rechtsschutzfall nur einmal an, auch wenn mehrere Leistungsarten betroffen sind.
  4. Im Verkehrs-RS (§ 21) besteht Versicherungsschutz im Vertrags- und Sachenrecht.
  5. Rechtsschutz für Opfer von Gewaltstraftaten (Nebenklage im Strafverfahren)

Hier handelt es sich um Minimalstandards, von denen sich die meisten selbst erklären. Erläutern möchte ich die Folgeereignistheorie im Schadensersatz-Rechtsschutz mit folgendem Beispiel: Herr Bike stürzt mit seinem Fahrrad schwer, da die Aluminiumgabel bei einer rasanten Bergabfahrt bricht. Er will Schadenersatz gegenüber dem Hersteller geltend machen. Gilt die Folgeereignistheorie, ist dieser Rechtsstreit versichert. Gilt die Folgeereignistheorie nicht, übernimmt der Rechtsschutzversicherer von Herrn Bike nur dann die Kosten, wenn er bereits zu dem Zeitpunkt versichert war, als die Gabel auf den Markt gebracht wurde.

Rechtsschutzversicherung – Welche Leistungen brauche ich?

Die Wahl der Leistungsarten ist das zweite wichtige Kriterium. In der Rechtsschutzversicherung werden die Bereiche Privat- Arbeits-, Verkehrs- sowie Wohnungs- und Grundstücks-Rechtsschutz unterschieden. Sie sollten sich entscheiden, ob Sie in einzelnen Bereichen auf Rechtsschutz verzichten können oder möchten. Dabei gilt der Grundsatz: ein umfassender Rechtsschutz ist günstiger als die Summe der einzelnen Rechtsschutzarten. Ein “All-Inclusive-Paket” kann sich in manchen Fällen also auch lohnen, wenn eigentlich nur drei der genannten Rechtsschutz-Arten versichert werden sollen.

Danach müssen Sie sich noch für den Leistungsumfang entscheiden, dabei zählen wir hier nur einige der wichtigsten Leistungsdetails auf:

  • Wird Arbeitgeber-Rechtsschutz für hauswirtschaftliche Beschäftigungsverhältnisse benötigt?
  • Sollen auch die Kosten für eine Aufhebungsvereinbarung im Arbeits-Rechtsschutz übernommen werden?
  • Wünschen Sie Beratungs-Rechtsschutz im Familien- und Erbrecht oder für eine Patientenverfügung?
  • Soll weltweiter Versicherungsschutz gewährt werden?
  • Wünschen Sie den Verzicht auf Wartezeiten (leider nicht in allen Leistungsbereichen möglich)?
  • Sollen neu hinzukommende Risiken bis zur nächsten Fälligkeit beitragsfrei mitversichert werden (sog. Vorsorgeversicherung)?
  • Wünschen Sie den Einschluss von Mediationsverfahren?

Ein Tipp noch zur Rechtsberatungshotline, die mittlerweile fast alle Versicherer anbieten. Bei manchen Versicherern können Sie dort auch Ausküfte zu Fällen erhalten, die eigentlich gar nicht versichert sind. Herr Bike hat zum Beispiel auf den Baustein Verkehrs-Rechtsschutz verzichtet, weil er kein Auto hat. Als er mit einem Mietwagen in einen Verkehrs-Unfall verwickelt wurde, konnte er bei seinem Versicherer dennoch telefonische Rechtsberatung für diesen Fall einholen.

Rechtsschutzversicherung – Bei Arbeitsrecht immer drei Monate Wartezeit

Eine Bemerkung zu den Wartezeiten: viele Versicherer verzichten mittlerweile auf die dreimonatige Wartezeit zu Vertragsbeginn. Für den Bereich Arbeits-Rechtsschutz ist dies jedoch ausgeschlossen. Es gibt derzeit keinen deutschen Rechtsschutzversicherer, der diese Wartezeit gestrichen hat. Eine Rechtsschutzversicherung muss daher dann abgeschlossen werden, solange die Welt noch in Ordnung ist.

Bei der Selbstbeteiligung gibt es verschiedene Modelle. Die meisten Versicherer bieten eine Wahl der Selbstbeteiligung in verschiedenen Höhen an. Als marktüblich hat sich eine Selbstbeteiligung in Höhe von 150 € herausgestellt. Dies ist aus unserer Sicht auch empfehlenswert, da die Tarife mit Selbstbeteiligung deutlich preisstabiler sind als sogenannte “Vollkaskotarife” ohne Selbstbeteiligung.

Daneben gibt es Produkte, die die Selbstbeteiligung halbieren, wenn ein von der Versicherung vorgegebener Rechtsanwalt gewählt wird. Andere Anbieter haben eine Art Schadensfreiheitsrabattsystem eingeführt, bei dem die Selbstbeteiligung im Laufe von schadensfreien Jahren immer weiter sinkt. Im Schadensfall erfolgt dann eine Rückstufung, wie es in der Kfz-Versicherung üblich ist. Gerade Kunden mit wenigen Rechtsschutzfällen können von solchen Modellen profitieren.

Sie suchen eine geeignete Rechtsschutzversicherung? Profitieren Sie von unserem Versicherungs-Check.

Gastautor:

Johannes Zeyse

Johannes Zeyse
Geschäftsführer der
CLARITOS –
Sozietät für Finanzplanung und Handel GmbH
Große Theaterstraße 7 - 20354 Hamburg

T.  (040) 386 553 86
E.  willkommen@claritos.de
www.claritos.de
www.claritos.info