Nebenjob – Muss ich meinen Chef fragen? Kündigung wegen Nebenjob?

Morgens tippen, abends strippen: Viele Arbeitnehmer kommen nicht mehr mit dem Geld aus, das sie in ihrem Hauptjob verdienen. So liegt es nahe, sich nach einem lukrativen Zweit- oder gar Drittjob umzusehen. Bevor man diesen aber antritt, sollte man seinen Chef informieren und die Erlaubnis einholen. Grundsätzlich kann dieser zwar nicht ohne triftigen Grund einen Nebenjob verbieten, unangenehm wird es jedoch, wenn der Arbeitnehmer erst etwas von seinem Nebenerwerb erzählt, wenn er bereits schlafend mit dem Kopf auf der Schreibtischplatte angetroffen wurde.

In Deutschland geht der Trend seit Jahren in Richtung Nebenerwerb; Jobs, in denen oft nur wenige Stunden pro Woche gearbeitet wird. Das Geld, das im Hauptjob verdient wird, reicht nicht mehr aus und immer mehr Arbeitnehmer müssen in ihrer eigentlichen Freizeit weitere Jobs annehmen, damit es zum Leben oder für einen kleinen Luxus genügt. Dass das nicht nur stressig ist, sondern auch zu arbeitsrechtlichen Schwierigkeiten führen kann, liegt auf der Hand.

Arbeitnehmer, die einen Zweitjob annehmen wollen, sollten zunächst einmal in ihren Arbeitsvertrag sehen. Gegebenenfalls hat sich die Sache dann bereits erledigt, nämlich dann, wenn Nebentätigkeiten arbeitsvertraglich ausgeschlossen sind. In der Regel ist im Arbeitsvertrag aber festgelegt, dass Nebentätigkeiten zwar erlaubt sind, jedoch der Genehmigung des Arbeitgebers bedürfen.

Da der Chef ohne guten Grund einen Nebenerwerb nicht einfach verbieten kann, ist die Aussicht, dass er ihm zustimmt, recht hoch. Die Genehmigung verweigern wird er jedoch, wenn der Zweitjob mit den betrieblichen Interessen kollidiert.

Der Arbeitnehmer muss natürlich in der Lage sein, seinen Hauptjob so auszuüben, dass die Arbeitsleistung nicht unter dem Nebenjob leidet. Wenn der Mitarbeiter die halbe Nacht nebenbei in einer Kneipe kellnert und am nächsten Morgen im Büro völlig durchhängt und gar einschläft, wird der Chef ohne wenn und aber Einwände gegen den Zweitjob erheben.

Ein weiteres Problem kann sich aus dem Arbeitszeitgesetz ergeben. Die Höchstarbeitszeit von 48 Wochenstunden darf durch alle Jobs zusammen nicht überschritten werden. Weiterhin muss der Arbeitnehmer eine Ruhezeit von mindestens elf Stunden nach Feierabend einhalten, bevor er zum nächsten Job startet. Das wird im Fall des kellnernden Büroangestellten kaum der Fall sein können.

Weiterhin gibt es Umstände, die einen Chef hindern werden, einer Nebentätigkeit zuzustimmen. Das wird immer dann zutreffen, wenn der Arbeitnehmer in Konkurrenz zu seinem Hauptjob arbeiten will, also wenn z.B. der KFZ-Mechaniker einer Herstellerwerkstatt abends an der Tanke ebenfalls Autos repariert. Noch schlimmer wird es, wenn er gar versucht, Kunden seines Hauptarbeitgebers abzuwerben, nach dem Motto: “Das kann ich Ihnen abends günstiger machen.”

Das Konkurrenzverbot gilt jedoch nicht, wenn der Arbeitnehmer in seinem Nebenjob zwar in der selben Branche arbeitet, aber eine völlig andere Tätigkeit ausübt. So darf z.B. der Versicherungskaufmann eines großen Unternehmens abends durchaus als Putzmann in einem anderen Versicherungsunternehmen tätig sein.

Anders sieht es immer dann aus, wenn dem Hauptarbeitgeber durch die Nebentätigkeit ein Imageschaden droht oder der Nebenerwerb den moralischen oder ethischen Grundsätzen eines Arbeitgebers völlig entgegensteht.

Das wäre z.B. dann der Fall, wenn die bei der Kirche angestellte Religionspädagogin abends in einer Rotlichtbar an der Stange tanzt oder sogar strippt. Ebenso träfe es hier die Führungskraft eines Herstellers von Bioprodukten, der sich nebenbei mit dem Anbau und Vertrieb von gentechnisch verändertem Mais beschäftigt.

Sehr kritisch zu betrachten ist der Fall, wenn der Nebenjob im Urlaub ausgeübt wird, da hier der Zweck des Urlaubs, nämlich sich zu erholen, völlig verfehlt wird. So schön es sein mag, seinen Urlaub zu finanzieren, in dem man vier Wochen in einem Club den Bespaßer spielt und meint, man sei ja schließlich auch an der frischen Luft an einem tollen Urlaubsort tätig, kann sich jeder vorstellen, dass der Arbeitnehmer wohl kaum ausgeruht und erholt aus diesem Urlaub zurück kommt.

Allerdings wird kein Chef etwas dagegen haben, wenn man seinen Urlaub zu Hause verbringt und nebenbei einmal in der Woche in einem Getränkemarkt aushilft.

Zusammenfassend lässt sich aber feststellen, dass der Arbeitnehmer gut daran tut, den Chef VOR Aufnahme einer Nebentätigkeit zu fragen, sodass es nicht zum bösen Erwachen kommt.

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