Zeugnis

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Das Arbeitszeugnis ist für einen Arbeitnehmer ein wichtiges Gütesigel, das ihm bei der Bewerbung auf einem neuen Job Türen öffnen – aber auch schließen – kann. An keinem anderen Dokument kann der Personaler, der eine offene Stelle zu besetzen hat – besser ablesen, was er sich von der betreffenden Person sowohl an persönlichen als auch an beruflichen Kompetenzen und Fähigkeiten erhoffen kann. Jedes Wort, jeder Satz sollte hier umsichtig formuliert werden – da nach deutschem Recht die Formulierung jedes Zeugnisses wohlwollend klingen soll, müssen für ein ernsthaft positiv oder sogar herausragend gemeintes Arbeitszeugnis besonders hohe Töne angeschlagen werden, um die Wertschätzung für den Beschriebenen auszudrücken. Die Aussagen, ob ein Arbeitnehmer die Arbeiten „stets zur vollsten Zufriedenheit“, einfach nur „zur vollen Zufriedenheit“ oder „zu unserer Zufriedenheit“ erledigt hat, können so beispielsweise in drei unterschiedliche ‚Noten‘ übersetzt werden.

Neben der Sprache des Zeugnisses ist aber vor allem der Inhalt von essentieller Bedeutsamkeit. Nicht nur das, was gesagt wird, auch das, was nicht gesagt wird, wird hier von einem Personaler interpretiert. Sowohl anhand einer lediglich verhalten positiven Aussage als auch durch das Nicht-Erwähnen einer eigentlich wichtigen Fähigkeit kann der Personaler die versteckten Hinweise im Arbeitszeugnis leicht erkennen. Welche Vorteile genannt werden, welche aber unerwähnt unter den Teppich fallen, kann großen Aufschluss über die Arbeitsweise eines Menschen geben. Wenn zum Beispiel die Pünktlichkeit oder der Arbeitseifer des Betroffenen erwähnt werden, andere im Berufsleben wichtige Eigenschaften oder Qualitäten jedoch unerwähnt bleiben, kann dies negativ gewertet werden.

Die Tätigkeiten, die der Arbeitnehmer während seiner Zeit bei dem Unternehmen übernommen und eigenverantwortlich durchgeführt hat, müssen in jedem Fall in einem eigens dafür vorgesehenen Abschnitt genannt werden. Hier ist darauf zu achten, dass die Arbeiten nach ihrer Bedeutung und Wichtigkeit sortiert werden – anfangend mit den besonders interessanten und wichtigen Tätigkeiten hin zu den weniger bedeutsamen. Besonders zu beachten ist hierbei, nicht nur Routinetätigkeiten aufzuzählen, sondern gerade diejenigen Arbeitsabläufe und -beschäftigungen zu erwähnen, die den Arbeitnehmer von anderen Bewerbern absetzen können. Auch sollte hier die Arbeitsweise des Arbeitnehmers und sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Umgang mit Kollegen ausformuliert werden.

Der Abschnitt, der bei einem Arbeitszeugnis ganz besonders wichtig ist, ist der letzte. Oft haben Personaler wenig Zeit, sodass es nicht selten vorkommen kann, dass sie nur diesen einen Abschnitt lesen und sich einzig hier ein Bild von dem Mitarbeiter machen. Sollte dieser Satz also kein besonders gutes Licht auf den Beschriebenen werfen, nimmt sich der Personaler oft nicht mehr die Zeit, das restliche Zeugnis zu lesen. Vor allem die Abschlussformel sollte daher mit großer Sorgfalt verfasst werden: Auf jeden Fall ist es wichtig, seinen Dank gegenüber dem scheidenden Mitarbeiter auszudrücken. Besonders vorteilhaft ist es hier auch, das Bedauern zu äußern, nicht weiter mit der betroffenen Person zusammenarbeiten zu können. Gute Wünsche für die Zukunft und die Hoffnung, weiterhin in Kontakt mit dem Betroffenen zu bleiben, lesen sich ebenfalls gut.

Wie sich zeigt, sollte ein Arbeitszeugnis nicht einfach schnell herunter geschrieben werden, sondern viel Sorgfalt dafür verwendet werden, um dem scheidenden Mitarbeiter keine Steine in den Weg hin zu einer neuen beruflichen Anstellung zu legen, sondern ihn dabei zu unterstützen.

Die Zeugniserteilung ist keine Gefälligkeit des Arbeitgebers sondern eine gesetzlich geregelte Pflicht aus dem Arbeitsvertrag, vgl. § 630 BGB, § 109 Gewerbeordnung. Das Gesetz unterscheidet dabei zwischen einem einfachen Arbeitszeugnis, das nur das Arbeitsverhältnis und die Dauer der Beschäftigung beinhaltet und dem qualifizierten Zeugnis. In einem qualifizierten Arbeitszeugnis sind darüber hinaus die Leistung und die Verhalten zu beurteilen. Der Arbeitnehmer muss sich für einen der Zeugnisse entscheiden. Das Zeugnis ist für den Arbeitnehmer im beruflichen Fortkommen wichtig, da er damit seine Tätigkeit wie auch seinen Erfolg hierin dokumentieren kann. Dies Spielt für einen späteren Arbeitgeber eine wichtige Rolle.

Der Anspruch auf Zeugniserteilung besteht erst nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Das Zeugnis ist zum einen an den Grundsätzen der Wahrheitspflicht und der Vollständigkeit ausgerichtet. Gleichzeitig hängt vieles jedoch vom Wohlwollen des Arbeitgebers ab. Folglich ergeben sich immer wieder Streitigkeiten über einzelne inhaltliche Aussagen und Begriffe. Jedenfalls darf eine Berichtigung oder auch Ergänzung verlangt werden. Das Zeugnis muss nämlich klar und verständlich formuliert sein. Bei dem Zeugnis sind gewisse Formalien einzuhalten, wie etwa die Schriftform (- aber nicht handschriftlich; die elektronische Form z.B. als E-Mail ist ausgeschlossen), mindestens gewöhnliches Büropapier mit Briefkopf, Datum (- auch zurückdatieren auf den Kündigungszeitpunkt möglich) und Unterschrift (- des Vorgesetzten).

Wird die Erteilung des Zeugnisses selbst oder auch in Grenzen der Inhalt des Zeugnisses (Zeugnisberichtigung) verweigert, ist der Gang zu den Arbeitsgerichten möglich.